Das Phasemeter und Monokompatibilität – Die Phasen im Blick

Ein Hoch auf Messgeräte!

Wenn du dich mit Mixing oder Mastering beschäftigst, wirst du dich irgendwann auch mit Messgeräten und Studioanzeigen zu tun haben.

Je früher du dich mit diesen Anzeigen und deren Anwendung auseinandersetzt, desto einfacher wird es dir fallen, bessere Aufnahmen, Mixe und Master durch die richtige Interpretation der Anzeigen abzuliefern.

Messgeräte lösen nicht alle Probleme, aber sie helfen dir dabei Entscheidungen zu treffen.

Stell dir vor: Du hörst einen Track und sollst diesen nach Gehör bewerten.

Wie ausgewogen ist der Mix?
Welche Struktur hat er?
Wie ist das Sounddesign? usw.

Du sollst Stärken und Schwächen benennen! Dein Gehör ermöglicht dir dies zu einem gewissen Grad. Denn diese Fähigkeit ist abhängig von der Übung deines Gehörs und deiner Erfahrung im analytischen Hören. 

Messgeräte helfen dir, unabhängig von deiner Hörerfahrung, deine Eindrücke zu objektivieren. Sie machen es möglich,  Informationen deiner Produktion zu „sehen“. Informationen, welche deinem Gehör evtl. verborgen geblieben sind. Und sei dir Gewiss: Auch Toningenieure mit langjähriger Erfahrung nutzen Analysetools.

Folgende Fragen kannst du dir nach dem richtigen Einsatz und Interpretation der gemessenen Werte vielleicht selbst beantworten:

Warum klingt mein Mix so dünn und kraftlos?
Weshalb klingt mein Mix oder Master im Club hohl und drucklos?
Wieso klingt meine Produktion nicht so breit und definiert wie Produktionen im Radio? 

Ich bin der festen Überzeugung:

Knowhow + geübtes Gehör + Unterstützende Nutzung von Messgeräten = bessere Musik- und Tonmischungen bzw. Master.


Phasenmessgerät oder Korrelationsgradmesser

Kommen wir zur Sache und beschäftigen uns mit dem Korrelationsgradmesser oder Phasenmessgerät.

In deiner DAW wirst du häufig die englische Bezeichnung Phasemeter finden. Im englischen und deutschen Namen des Messgerätes sind alle wesentlichen Informationen über die Verwendung angedeutet: Es geht um Korrelationsgrade und Phasen.

Also um die Basisbreite deines Mixes im Stereobild, um Monokompatibilität und Phasenauslöschungen. 
Und damit um die Kompatibilität deiner Arbeit für Airplays im Radio, Spielbarkeit im Club oder Vinylpressungen.

 

Der Korrelationsgradmesser in Abb. 1 befindet sich am unteren Rand der Anzeige und wird mit „Corr“ beschrieben. Oben siehst du das sogenannte Stereosichtgerät oder Goniometer. (Mehr dazu in folgendem Blogbeitrag: Stereosichtgerät / Goniometer verstehen und anwenden).
Hier ist das Phasemeter von Presonus abgebildet. Wenn du ein anderes Plugin oder Hardware nutzt, ist das Anwendungsprinzip natürlich ähnlich.

Was hat es mit Korrelationsgrad auf sich?

Vermutlich hörst du Musik in Stereo. Hierbei sind die Signale auf dem linken und rechte Kanal entweder gleich, sehr ähnlich, weniger ähnlich oder völlig unterschiedlich.
Korrelation beschreibt die Ähnlichkeit zweier Audiosignale im Vergleich miteinander.

Liegt auf dem linken Kanal das identische Signal wie auf dem rechten Kanal an, so korrelieren beide Kanäle zu 100%.
Du hörst das Signal –  da es ja über beide Boxen gleichzeitig kommt – in Mono.

Liegt auf dem linken Kanal ein völlig anderes Signal als auf dem Rechten, so korrelieren beide Kanäle zu 0%. Die rechte Seite gibt etwas völlig anderes wieder als die Linke.


Das Phasemeter-Plugin auf der Stereosumme deiner DAW zeigt dir also die Ähnlichkeit des linken zum rechten Kanals an. 
Beim Vergleich der Signale orientiert sich der Korrelationsgradmesser dabei am Verlauf der Wellenform und kaum an deren Stärke, der sogenannten Amplitude.

In Abb 2. sind beide Wellenformen zu 100% gleich. Das heißt, sie korrelieren zu 100 % miteinander. Über euer Boxenpaar im Studio hört ihr ein Monosignal.

Der Korrelationsgradmesser zeigt dir keine Aussagen wie „ähnlich“, „unähnlich“ oder Prozentwerte an. Diese werden in Form einer LED-Kette dargestellt, an deren Enden die Werte -1 auf der linken Seite, +1 auf der rechten Seite und 0 in der Mitte stehen.

Bei einer 100% Korrelation bzw Ähnlichkeit steht die Anzeige bei +1. Über deine Boxen nimmst du das Signal in Mono wahr. Alle Informationen scheinen aus der Mitte zu kommen.

Bei 0% Korrekation oder Unähnlichkeit der Signale steht die Anzeige bei 0. Zwischen 0 und 1 werden Zwischenschritte dargestellt. Beim Abspielen eines Stereomixes springt die Anzeige immer mehr oder weniger zwischen 0 und +1 umher. Signale sind also im Verlauf mal mehr und mal weniger ähnlich. 

 

Was hat das Ganze mit der Phase zu tun?

In Abb 2. (oben) siehst du zwei identische Wellenformen. Du siehst Berge und Täler der Sinuswelle. Ausgegeben auf die Membranen deiner Studioboxen bewirken die Berge, dass sich die Membran nach außen wölbt und die Täler, dass die Membran in die entgegengesetzte Richtung bewegt wird.

Diese Schwingungen bewirken Luftdruckänderungen vor der Membran, die sich wellenförmig bis zu deinem Trommelfell fortsetzen. Du hörst das Signal oder Schallereignis, weil die Wellen dein Trommelfell in Schwingung versetzen.

In Abb. 2 befinden sich beide Wellenformen in Phase. Das heißt, sie schwingen zur gleichen Zeit, mit gleicher Stärke in die eine oder andere Richtung (Berg und Tal). Sie haben einen  Phasenwinkel von 0°.

In dieser Abbildung hingegen siehst du die gleichen Wellenformen, welche jedoch völlig gegenphasig verlaufen. Sie sind außer Phase:
Jedem Berg steht ein Tal entgegen und umgekehrt.
Beide Signale sind zwar identisch, jedoch verschoben. Man spricht auch von invertierten oder „phasengedrehten Signalen“.

Dabei heben sich Wellenberge und Wellentäler der Signale gegenseitig auf. Es kommt zur Phasenauslöschung. Der Phasenwinkel liegt hier bei 180°.

Auf dem Korrelationsgradmesser siehst du folgendes:

Auf deiner Abhöre hörst du ein extrem breites Stereosignal. Die Mitte scheint sehr leise oder völlig zu fehlen. Schaltest du in deiner DAW  die Stereosumme auf Mono, hörst du: Nichts. Die Phasen löschen sich gegenseitig aus.

 

Was weißt du jetzt?

Mittels des Korrelationsgradmessers hast du die Stereobasis / Stereobreite deines Mixes im Blick. Du erkennst, ob ein Mix oder ein Master monokompatibel ist.

Aber was heißt monokompatibel?

Ein Song funktioniert auf  deiner Abhöre oder über Kopfhörerganz wunderbar. Er ist möglicherweise unwahrscheinlich breit gemischt. In deinem Studio klingt er einfach nur großartig.
Dann wird dein Song in einem Club, über Handylautsprecher oder über ein Küchenradio gespielt. Der Mix fällt in sich zusammen. Er klingt dünn, irgendwie hohl und evtl. fehlen ganze Instrumente und Frequenzen. Auf Monosystemen (viele Club-PAs, vielen Handys, einfache Mono-Küchenradios etc.) haben sich die Phasen ausgelöscht. 

Ein Mix der Stereo funktioniert, sollte auch über ein Monosystem abgespielt, verlustfrei funktionieren. Er sollte monokompatibel sein.

Auch viele Sendeanstalten fordern Monokompatibilität.

Monokompatibel ist ein Stereosignal dann, wenn sich Signalanteile nicht mehr als 3dB auslöschen, wenn man dieses in Mono abhört.

Richtig problematisch wird es auch, wenn du die Pressung einer Vinyl-Schallplatte planst. Nur wenn Dein Track monokompatibel ist, kann gewährleistet werden, dass die Nadel nicht aus der Rille fliegt.

Während deiner Arbeit solltest du also darauf achten, dass sich das Meter die meiste Zeit im Bereich zwischen 0 und +1 bewegt. Es ist aber sicher zu verkraften, wenn die Anzeige während eines Tracks kurz in den Bereich zwischen 0 und -1 rutscht. Je weniger dein Mix monokompatibel ist, desto mehr Phasenauslöschungen treten auf.

Wenn du deinen Track extern mastern lässt, wird der Masteringingenieur auf die Monokompatibilität deines Tracks achten und sich im Zweifel wieder an dich wenden.

Sind Korrelationsgradmesser nur beim Mixing- und Mastering hilfreich?

Nein, keineswegs! Auch beim Recording hat das Messgerät seinen Sinn. Mittelst eines Phasemeters kannst du überprüfen, ob Intensitätsstereomikrofonie richtig aufgebaut wurde. Dazu gehören die X/Y-Technik, M-S-Mikrofonierung und Blumlein.

 

Fazit

Bedeutung der Anzeigen auf dem Korrelationsgradmesser / Phasenmessgerät / Phasemeter:

1

Links = Rechts. Der Phasenwinkel zwischen beiden Seiten beträgt 0°. Das Stereobild ist Mono.

0 bis 1

Der Phasenwinkel liegt zwischen 90° und 0°. Das Stereobild hat eine niedrige Basisbreite. Monokompatibilität liegt vor. Der Song kann auf Vinyl gepresst werden. Sendeanstalten akzeptieren das Material zur Sendung.

0

Links und Rechts sind nicht gleich. Der Phasenwinkel ist genau 90°. Es liegt eine mittlere Stereobasisbreite vor.

-1 bis 0

Der Phasenwinkel liegt zwischen 180° und 90°. Das Stereobild hat eine hohe Basisbreite. Es liegt keine Monokompatibilität vor. Das Material sollte nicht auf Vinyl gepresst werden. Sendeanstalten werden das Material nicht oder nur sehr verfälscht wiedergeben können.

-1

Links und Rechts sind gleich, wobei ein Kanal invertiert, also gedreht ist. Der Phasenwinkel ist folglich um 180° gedreht. Es liegt eine sehr hohe Stereobasisbreite vor.

Monokompatibilität ist nach wie vor wichtig. Sie gewährleistet eine (frequenz)verlustfreie und druckvolle Wiedergabe im Radio, Streaming, TV, Kino und auf Vinyl.

Es ist also im Interesse deiner Mixe, Master und Songs, die Monokompatibilität im Auge zu behalten. 

 

 

Du hast Fragen, konstruktive Kritik oder Anmerkungen? Immer her damit!


Quellen:

Friesecke, Andreas (2007). Metering (2. Auflage), PPV Medien

https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelationsgradmesser

https://de.wikipedia.org/wiki/Intensit%C3%A4tsstereofonie

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